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03 | 09 | 2010
Haiti
Proteste gegen Präsident Préval PDF Print E-mail
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Dienstag, 11. Mai 2010

Politik

Proteste gegen längere Amtszeit von Präsident Préval

Haitis Präsident Préval: Längere Amtszeit durchgesetzt
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AP

Haitis Präsident Préval: Längere Amtszeit durchgesetzt

Vier Monate nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti gibt es dort Spannungen. Tausende Menschen protestierten gegen Präsident Préval. Er hatte eine Verlängerung seiner Amtszeit um drei Monate durchgesetzt.

Port-au-Prince - Tausende Demonstranten haben in Haiti den Rücktritt von Präsident René Préval gefordert. Sie werfen ihm vor, die Zerstörung des Landes durch das Erdbeben als Vorwand zu nutzen, um länger im Amt zu bleiben.

Rund 2000 Menschen versammelten sich am Montag vor den Trümmern des Präsidentenpalastes in der Hauptstadt Port-au-Prince. Viele von ihnen gaben sich als Anhänger des 2004 ins Exil gegangenen Expräsidenten Jean-Bertrand Aristide zu erkennen. Es war die bisher größte Demonstration gegen Préval seit dem verheerenden Erdbeben vom 12. Januar. Die haitianische Polizei ging mit Tränengas gegen Teilnehmer vor.

Polizisten auf Motorrädern versuchten, mehrere hundert zumeist jugendliche Demonstranten mit Tränengas zu vertreiben, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Die Demonstranten stürmten von der Polizei errichtete Barrikaden auf dem Weg zum Präsidentenpalast. Vereinzelt waren demnach Schüsse zu hören.

Am Montag hatte der Senat einem bereits im Parlament gebilligten Gesetz zugestimmt, das Prévals Amtszeit bis zum 14. Mai kommenden Jahres ausdehnt. Eigentlich soll an diesem Tag ein neuer Staatschef ins Amt eingeführt werden, aber nur dann, wenn noch in diesem Jahr gewählt wird. Die Initiative zu dem Gesetz hatte der Präsident eingebracht.

Turnusmäßig steht die Präsidentenwahl im November an, Prévals Amtszeit endet eigentlich am 7. Februar kommenden Jahres. Laut dem neuen Gesetz darf die Wahl des Präsidenten bis zum Februar 2011 verschoben werden, wenn es nicht gelingen sollte, sie im November dieses Jahres abzuhalten.

Bei dem Erdbeben mit über 222.000 Toten wurde auch das Gebäude der Wahlkommission mit den Akten von 1,6 Millionen Wahlberechtigten zerstört, was die Organisation einer Wahl erschwert. Wegen der Zerstörungen waren bereits die für Februar geplanten Parlamentswahlen verschoben worden.

Mehr als zwei Dutzend Parteien und Gruppierungen hatten zu Protesten gegen Préval aufgerufen. Seine Gegner wollen weiter demonstrieren, täglich gehen bereits tausende Menschen in der Provinz gegen ihn auf die Straße.

mmq/AFP/apn/dpa

 
Aus dem zerstörten Haiti….. PDF Print E-mail
Written by ASILB   
Sunday, 17 January 2010 18:18
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Die Schweizerin  Paula Iten lebte 30 Jahre in Haiti und arbeitete mit Pater Jean-Marie Vincent zusammen. Sein Gesundheitsprojekt in Ti Tanyen wurde seinerzeit von Haiti-Med übernommen. Seit Weihnachten hält sich Paola wieder in Haiti auf und erlebte das Erdbeben am eigenen Leibe mit. Gerade erreichte uns ihr dramatischer Bericht, der zeigt wie groß Zerstörung und Not sind ....


Meine Lieben,

Es ist vier Uhr morgens an diesem Samstag, den 16. Januar 2010. Ein unvergessliches Jahr hat begonnen, wo laut Schätzungen an die 100.000 Menschen (niemand wird je wissen, wieviele es wirklich waren) den Weg in die Ewigkeit angetreten haben.
Vor Ort dürfen wir uns nicht der Trauer widmen, sondern dem Leben und Ueberleben der mindestens 3.000.000 Menschen, die Leben wollen :
In aller Eile werden Menschen in Kartonschachteln in Massengräbern zeremonienlos beigesetzt. Doch Unzählige sind bereits begraben unter den zusammengefallenen Schulen, Universitäten, Regierungsgebäuden (Präsidentenpalast, Ministerien,  Geschäftshäuser, Supermärkten, Kirchen und Privathäusern). Der modernde Geruch soll durch Verbrennen von Neemblättern, sowie Zahnpaste unter der Nase ferngehalten werden.
Trinkwasser, Medikamente, Verbandstoff, Lebensmittel, Zelte für Monate, stehen auf der Dringlichkeitsliste.
Um effizient zu sein in dieser Situation, wo noch immer die meisten Handys nicht funktionieren, braucht es ein Auto mit Benzin und viele Beziehungen, um einigermassen was auf die Beine zu stellen.


Zur Zeit des Erdbebens war ich zu einem Gespräch über das Trinkwasseranalyseprojekt bei einer Chemikerin zu Gast im schwerst getroffenen Canapé Vert. Das kleine einstöckige Familienhaus schaukelte zwar enorm und ich dachte schon, das Ende meiner Tage sei angekommen… - dann Schreie rundherum… Es war um 17 Uhr, wobei um 18 Uhr die dunkle Nacht ohne Strom begann. Seither schlafen wir unter freiem Himmel, denn noch nach drei Tagen halten uns die Nachbeben in Atem. Es gibt kaum eine Familie, die nicht iregndwie getroffen wurde. Viele Menschen sind heute unterwegs ohne Ziel mit einer kleinen Habe auf dem Kopf.

Was können wir in dieser Situation bewirken ???

Bereits in der ersten langen Nacht kamen Verwundete vorbei. Zum Glück hatte ich EM in der Handtasche, sowie Keramikpulver. Damit konnte ich eine Studentin, die 18 Wundstellen hatte in etwa versorgen. Weitere von Betonklötzen verwundete Hände, aufgeschlagene Zehen.  – Um 10 Uhr morgens dann, ging es mit der Schwester der Chemikerin, die verantwortlich ist für die nationalen Schulkantinen durch ein Chaos der unvorstellbaren Verwüstung in die Vorratskammern. Dort wurde Essen gekocht, an die Angestellten und vor allem Wächter verteilt und, soweit Platz im Auto war, zwei drei Säcke Reis, Bohnen und Oel aufgeladen für das schwer getroffenen Quartier. Während das Essen gekocht wurde holte ich im Haus eines Freundes sieben Liter EM und dreieinhalb Liter Zuckerrohrmelasse, eine Sonnenlaterne, Wasser zum Trinken aber auch zum Herstellen von EM-A, denn das Wasser ist knapp in Canapé Vert und es sind keine Autos oder Benzin vorhanden, Wasser zu tragen.

Am Donnerstag und Freitag konnte ich an die 100 Liter EM-A produzieren. Ich hatte auch noch etwas Vorrat an EM, wenn es auch teuer ist, für Totentransporte abzugeben. Nachschub von EM aus Gonaives ist garantiert und in der dominikanischen Republik in Auftrag gegeben. EM hilft tatsächlich den stickigen Geruch fernzuhalten

Eben so wichtig ist die Herstellung von Chlorine durch Elektrolyse, in die uns der Chemiker Prof. Frank Escher aus Winterthur vor zwei Jahren eingeführt hat. Mit zwei Geräten produzieren wir zwei Liter pro Stunde, dazu musste eine Energiequelle gefunden werden. Das schafften wir gestern. So konnten wir bereits in Haut Turgeau, wo viel Wasser vorhanden ist, bereits ein Liter einsetzen, sowie auch in Canapé Vert. – Heute geht die Verteilung weiter. Probleme : kleine Plastikflaschen, Flaschen ganz allgemein, drucken von Gebrauchsanweisung und Etiketten. Dieses Chlorine wird den Weg auch nach Jacmel und weiteren Gemeinden finden zur raschen Aufbereitung von Trinkwasser .

Für die Quartiernotstelle gingen wir auf die Suche nach Medikamenten. Von einem ehemaligen Minister haben wir erfahren, dass am Zoll Container voll Verbandmaterial und Medikamenten liegen. Ueber den Zolldirektor, der uns bereits die Zusage gab, sie herauszuholen, geht es heute weiter zum Direktor des Gesundheitsministeriums, um die nötigen Unterlagen oder wenigstens ein unterschriebenes Papier zu erhalten, dass wir die Erlaubnis haben, die Ware aus dem Zoll herauszuholen. Wir hoffen, dass dies nicht eine leere Uebung sein wird. Doch wir tun, was wir können. Wenn ich übrigens « wir »  sage, dann ist dies der nationale Koordinator vom KOFIP und ich. So benützen wir das MIVA-Auto für den 1. Hilfedienst.

Hinzu kommen Schritte, auch Esswaren in drei Quartiere zu bringen.

Wir tun was wir können, während wir noch immer unter freiem Himmel schlafen und für einmal den Himmel anflehen, die dunklen Wolken zur Zeit nicht über Port-au-Prince auszuleeren, denn das wäre verheerend…

So viel für heute. Vielen Dank für Euer Mittragen in dieser harten, ja unmöglichen Situation. Ueber meinem Kopf dröhnen von Zeit zu Zeit die Flugzeuge der internationalen Hilfe, von der wir in den Quartieren praktisch noch nichts zu spüren bekommen.

Mir persönlich geht es so weit so gut !

Solidarisch grüsst Euch aus Haiti

 
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