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Ti Tanyen liegt an der nördlichen Straße, der Nationale No 1, ca. 25 km von Port-au-Prince. Seine Bevölkerung wird auf mehr als 15.000 Einwohner geschätzt, von denen die meisten Frauen sind. In der sehr kargen und trockenen Region werden Hirse und tropische Früchte, wie z.B. Melonen, angebaut. Die Bewohner leben unter prekären sozio-ökonomischen Bedingungen. Im Bezug auf den Handel wird diese Region sehr stark frequentiert. In Ti Tanyen befindet sich eines der Gesundheitszentren von Haiti-Med, das professionelle Gesundheitsdienste anbietet.
Die Einwohner der angrenzenden Gebiete kommen an den Markttagen, Dienstag und Freitag, um ihre Produkte zu verkaufen und andere zu kaufen, sowie lebensnotwendige Grundnahrungsmittel zu erwerben.In der Tat ist dies eine Form des Tauschhandels, der hier noch immer praktiziert wird.
Die Bevölkerung zeigt hier eine hohe Rate von Infektionen, die sexuell übertragen werden, insbesondere bei den Frauen, die im Handel tätig sind. Eine Umfrage zu diesem Phänomen ergab, dass die Frauen, um das tägliche Überleben ihrer Familien zu sichern und wenigstens die Grundbedürfnisse befriedigen zu können, von früh bis spät im Handel arbeiten. Sie kaufen Waren, um diese mit einem meist sehr geringen Gewinn wiederzuverkaufen oder dafür andere Waren und Grundnahrungsmittel zu erhalten. Um die Waren günstiger und leichter erhalten zu können, deren Wiederverkauf es ihnen erlaubt das tägliche Überleben für sich und ihre Familien zu sichern, sind viele dieser Frauen gezwungen, sich zu prostituieren. Diese Problematik macht eine Verbesserung dieser Situation für die Frauen dringend erforderlich.
Père Jean Marie Vincent gründete 1991 in Zusammenarbeit mit dem „Komite Sante“ von Ti Tanyen die Klinik St. Antoine (s.u. Anmerkung des Verfassers) . Nach seiner Ermordung 1994 übernahm Haiti-Med die Trägerschaft.
Seit der Übernahme entwickelte sich die Klinik zu einem sozial-medizinischen Zentrum, das den Gesundheitsbereich mit dem Hygienebereich (Latrinenbau, Trinkwasserversorgung), und Sozialen Bereich (Alphabetisierungskampagne, Aufklärungskampagne zu Hygiene, Familienplanung, Vorschulprogramm etc.) verknüpft.
Im Rahmen der Gesundheitsversorgung werden Untersuchungen und Behandlungen von einer Krankenschwester und einer Ärztin an 3 Tagen in der Woche durchgeführt. An zwei weiteren Tagen pro Woche finden Hausbesuche in der Umgebung statt. Die Krankenschwester wird von zwei Hilfskrankenschwestern und einigen freiwilligen Helfern aus der Gemeinde, unterstützt, die in regelmäßigen Abständen eine Weiterbildung in allen notwendigen Bereichen erhalten.
Das Gesundheitszentrum bietet sowohl kurative als auch Präventionsmaßnahmen an, im einzelnen:
- allgemein-medizinische Untersuchungen und Behandlungen
- Hausbesuche
- Untersuchungen während der Schwangerschaft
- Entbindungen in Zusammenarbeit mit den traditionellen Hebammen
- Untersuchungen des Säuglings
- Notfallbehandlungen in allen medizinischen Bereichen, sofern möglich
- Ernährungs- und Gewichtskontrolle der Kinder
- Nahrungszusätze
- Impfkampagnen
- Ausbildungsprogramme für die Bevölkerung (Hygiene, Mutter-Kind-Programm)
- Alphabetisierungsprogramme
- Fortbildungsprogramme für das Personal
Drei weitere Außenstationen in Planquette, Fito und Kaloné wurden eingerichtet und werden einmal im Monat betreut.
Ca. 500 Personen nehmen monatlich die Dienste des Gesundheitszentrums St. Antoine in Ti Tanyen in Anspruch, davon 50-60% schwangere Frauen und Kinder.An drei Tagen in der Woche steht eine Ärztin zur Verfügung, die die Behandlungen mit Assistenz der Krankenschwester durchführt. Diese Tage entsprechen den Markttagen und haben eine sehr hohe Besucherzahl, da Tausende aus der Umgebung anreisen und viele davon die Dienste des Zentrums in Anspruch nehmen. An den übrigen Tagen steht die Krankenschwester mit zwei Hilfskrankenschwestern alleine zur Verfügung. An diesen Tagen werden vornehmlich Hausbesuche durchgeführt. Ein über die angegebenen 3 Tage hinausgehendes ärztliches Behandlungsangebot kann aus Budget-Gründen nicht gemacht werden.
Anmerkung des Verfassers: als Klinik (Clinique) werden in Haiti kleine Gesundheitsstationen bezeichnet, in denen ambulante medizinische Versorgung stattfindet.
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